Prof. Dr. Jakob Rhyner, Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Frühwarnungen sollen helfen, bei aufziehenden Gefahren Maßnahmen zur Verminderung von Schäden zu ergreifen und rechtzeitig durchzuführen. Diese Maßnahmen können von verschiedener Art sein: Evakuationen, Straßensperrungen, mobiler Hochwasserschutz, etc.. Die Frühwarnung hat in den letzten Jahrzehnten viel zur Verminderung von Todesopfern und Sachschäden bei Naturereignissen beigetragen.

Grundlage eines Frühwarnsystems ist das Verständnis des Gefahrenprozesses und seine rechtzeitige Vorhersage und Erfassung. Es ist eine Kombination zwischen mathematischer Modellierung, Messungen, Beobachtungen, historischen Messdaten, und lokaler Erfahrung von Experten oder Privatpersonen vor Ort. Die relativen Anteile dieser Faktoren können sich bei verschiedenen Gefahren (Hochwasser, Stürme, Dürren, Erdbeben, Lawinen etc.) sehr stark unterscheiden.

Als nächster Schritt ist die Kommunikation der Warnung wichtig. Hier muss die Eignung verschiedener Techniken gut abgewogen werden. Neuere technische Entwicklungen (z.B. soziale Medien) haben viele neue Möglichkeiten geschaffen, können aber auch einige Probleme verursachen.

Bei einem guten Frühwarnsystem müssen alle Teile ineinandergreifen. Es gibt dafür keine „Blaupause“. Das System muss immer den lokalen und regionalen Gegebenheiten angepasst werden und auch Rücksicht darauf nehmen, was der Bevölkerung zugemutet werden kann und was nicht.

Was man bei Frühwarnsystemen gar nicht gerne hat, sind sog. „Missed Events“ (Gefahr kommt, aber keine Warnung) oder Fehlwarnungen (Warnung kommt, aber keine Gefahr). Leider ist keines der beiden Probleme vermeidbar, und es ist sogar so, dass das eine umso häufiger vorkommt, je mehr man das andere zu vermeiden versucht. Wieso das so ist, und wie man damit umgehen kann, lässt sich mit einigen einfachen algebraischen Übungen demonstrieren.

zurück zum Programm der Herbsttagung 2019

Frühwarnsysteme für Umweltrisiken – Hochwasser, Stürme, Dürren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.